Mittwoch, 9. November 2011

Unbelehrbare Altvorsitzende

Ein langjähriges CSU-Mitglied kommentiert den Auftritt des ehemaligen CSU-Vorsitzenden Theo Waigel in einer Talkshow-Runde und schrieb uns folgendes:

"In der Euro-Diskussion fallen die Sichtweisen auseinander. Theo Waigel fühlt sich offenbar zum Verteidiger des Euro besonders berufen. Er lebt noch in jener Welt, die er 1998 bei seinem Amtsverlust verlassen hatte. Das wurde gestern im Fernsehen deutlich. Seine Vorstellung, man könne heute noch mit einer Art Geheimdiplomatie agieren wie in den europäischen Währungskrisen der frühen 90er Jahre, ist vollkommen überholt. Mittlerweile kann man fast jede Information nahezu in Echtzeit im Internet abrufen. Wie sonst konnte „Börsenexperte“ Dirk Müller die Inhalte einer Rede des Weltbankpräsidenten Zoellick in Sydney in Erfahrung bringen? Dort hatte Robert Zoellick bestätigt, dass die Einführung des Euro der Preis des ehemaligen französischen Staatspräsidenten Mitterand für seine Zustimmung zur Wiedervereinigung war. Waigel hatte dies stets als Legende zurückgewiesen. Mich schmerzt die Unehrlichkeit, mit der Theo Waigel heute auftritt und mit realitätsfernen Durchhalteparolen einen Euro-Währungsverbund verteidigt, obwohl 90 % unserer Mitglieder genau wissen, dass diese Gemeinschaftswährung nicht funktioniert und für Deutschland absolut nachteilig ist."

PS: Anmerkung der Redaktion: Anlässlich der Euro-Bargeld-Einführung schrieb Theo Waigel im Dezember 2001:

Der 01. Januar 2002 markiert einen Quantensprung im europäischen Einigungsprozess. Mit Beginn des neuen Jahres werden die europäischen Währungen in Euro umgetauscht. Dabei ist der Euro längst Realität, denn Betriebe, Finanzämter und weite Teile des Einzelhandels, aber auch das Kreditgewerbe und die Börsen bilanzieren längst in der neuen Währung.

Der Euro hat seine ersten Feuerproben bestanden. Seit Beginn der dritten Stufe weist Europas Gemeinschaftswährung eine große Immunität gegenüber internationalen Krisen auf. In der jetzigen Phase der Unsicherheit nach den Terroranschlägen in den USA bildet der Euro einen Stabilitätsanker im Weltwährungssystem.

Wie bei allen fundamentalen Weichenstellungen hat auch die Euro-Einführung bei vielen Menschen Bedenken hervorgerufen. Sie sind unbegründet. Es vollzieht sich keine Währungsreform, sondern ausschließlich eine Währungsumstellung. Innerhalb von nur 10 Jahren hat sich der EU-Raum zu einer Stabilitätsgemeinschaft entwickelt. Entscheidend für den Wert einer Währung ist deren innerer Wert ausgedrückt als Kaufkraft. Bei einer Inflationsrate von rund zwei Prozent ist der Euro so stabil wie die D-Mark im Durchschnitt der 90er Jahre. Mittelfristig wird sich der stabile Binnenwert auch in einem höheren Außenwert gegenüber dem Dollar niederschlagen.

Der Euro bildet die finanzielle Grundlage für den europäischen Binnenmarkt. Der Euro schafft Planungssicherheit für die Außenwirtschaft und bildet die Basis für das Zusammenwachsen der europäischen Finanzmärkte. Er wird darüber hinaus zum Kern der politischen Union, mit der die Europäer eine neuen Friedensarchitektur schaffen.


Dr. Theo Waigel, MdB
Bundesminister der Finanzen a.D.

Er hätte sich lieber an seinen Vorgänger Franz Josef Strauß orientieren sollen, der eine europäische Gemeinschaftswährung stets ablehnte und 1988 kurz vor seinem Tode an Helmut Kohl deshalb folgendes schrieb:

"Wem könnte der Marsch in eine Weichwährungsunion, eine Harmonisierung in Richtung höherer Inflationsraten, eine kurzatmige Wirtschafts- und Haushaltspolitik nützen?"